5. Januar 2026
Übertritt und Untertritt – Grundbegriffe beim Nähen von Knopfverschlüsse

Übertritt und Untertritt

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Als Übertritt und Untertritt bezeichnet man die Zugabe am Papierschnitt und am Stoff, die bei einem Kleidungsstück über die eigentliche Knopflinie hinausgeht. Diese Zugaben sind notwendig, damit sich ein Knopfverschluss sauber schließen lässt und das Kleidungsstück später korrekt sitzt.

Der Übertritt liegt dabei oben, der Untertritt darunter. Beim geschlossenen Kleidungsstück überdeckt der Übertritt den Untertritt vollständig oder teilweise, je nach Schnittform und Design. Beide Teile gehören konstruktiv zusammen und werden bereits beim Zuschneiden berücksichtigt.

Funktion von Übertritt und Untertritt

Übertritt und Untertritt sorgen dafür, dass Knöpfe und Knopflöcher richtig positioniert werden können, ohne dass der Stoff spannt oder sich verzieht. Sie stabilisieren den Verschlussbereich und tragen wesentlich zur Haltbarkeit und Optik eines Kleidungsstücks bei.

Besonders bei Jacken, Blusen, Hemden, Mänteln und Kleidern mit Knopfverschluss sind diese Zugaben unverzichtbar. Auch bei Kinderkleidung oder Trachten spielen sie eine wichtige Rolle, da dort oft größere Knöpfe oder dickere Stoffe verwendet werden.

Breite von Übertritt und Untertritt

Die Breite richtet sich immer nach der Größe des Knopfes, der aktuellen Mode und der Art des Stoffes. Dicke Stoffe oder schwere Knöpfe benötigen mehr Platz als feine Blusenstoffe oder kleine Knöpfe.

Für die Übertrittbreite gilt im Allgemeinen folgende Regel:
Der Übertritt sollte etwa 1,5-mal so breit sein wie der verwendete Knopf. Diese Faustregel gilt unabhängig davon, ob es sich um einen einfachen Knopfverschluss, eine durchgehende Knopfleiste oder einen dekorativen Verschluss handelt.

Der Untertritt wird meist etwas schmaler gearbeitet, da er hauptsächlich als Träger für den Knopf dient und nicht sichtbar sein soll.

Platzierung von Knopf und Knopfloch

Der Knopf wird immer exakt auf der Knopflinie des Untertrittes angenäht. Diese Linie ist im Schnittmuster in der Regel eindeutig markiert und darf nicht verschoben werden, da sonst der Verschluss später nicht korrekt schließt.

Das Knopfloch befindet sich im Übertritt. Es beginnt – abhängig von der Stoffdicke – etwa 2 bis 4 Millimeter von der gedachten Knopfmitte entfernt. Bei dicken Stoffen wird der Abstand etwas größer gewählt, damit sich der Knopf leichter schließen lässt und der Stoff nicht spannt.

Unterschiede bei Damen- und Herrenkleidung

Traditionell liegt der Übertritt bei Damenkleidung rechts über links, bei Herrenkleidung links über rechts. Diese Regel ist historisch gewachsen und wird heute vor allem bei klassischen Schnitten beibehalten. Bei modernen oder experimentellen Designs kann davon bewusst abgewichen werden.

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

Ein zu schmaler Übertritt führt dazu, dass Knopflöcher sehr nah am Rand liegen und ausreißen können. Ein zu breiter Übertritt wirkt dagegen schnell klobig und verändert die Proportionen des Kleidungsstücks.

Auch eine falsche Platzierung von Knopf oder Knopfloch kann dazu führen, dass der Verschluss schief sitzt oder sich beim Tragen öffnet. Sorgfältiges Abmessen und Markieren vor dem Nähen ist hier entscheidend.

Fazit

Übertritt und Untertritt sind grundlegende Konstruktionselemente beim Nähen von Kleidungsstücken mit Knopfverschluss. Ihre richtige Breite und Platzierung sorgen für einen funktionalen, haltbaren und optisch sauberen Verschluss. Wer diese Begriffe versteht und korrekt umsetzt, vermeidet typische Nähfehler und erzielt deutlich bessere Ergebnisse.

Übertritt und Untertritt – Grundbegriffe beim Nähen von Knopfverschlüsse
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